Dynamikumfang deiner Bilder verbessern: 4 Möglichkeiten

Aktualisiert: von Robert

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Die richtige Belichtung – was bedeutet das eigentlich??

Früher bedeutete das oft einen Kompromiss aus „abgesoffenen“ Schatten und ausgefressenen Lichtern zu finden.

Natürlich gab es auch früher schon einige Möglichkeiten um die Belichtung zu optimieren. Doch die Entwicklung/Technik ist nicht stehengeblieben. Die Möglichkeiten heutzutage sind dank moderner Technik deutlich zahlreicher.

Des Weiteren ist der Dynamikumfang moderner Kamerasensoren deutlich gestiegen.

 

Als Dynamikumfang wird der Unterschied zwischen den hellsten und dunkelsten Bereichen einer Fotoszene bezeichnet.

Ist dieser Unterschied sehr groß (dunkle Schatten und helle Lichter) so spricht man von einem hohem Kontrastumfang / Dynamikumfang. Ist dieser Unterschied klein (bewölkter Himmel – kaum Schatten und Lichter) so spricht man von einem geringen Kontrastumfang / Dynamikumfang.

 

Das menschliche Auge kann einen enormen Dynamikumfang festhalten (10.000:1). Kamerasensoren können leider nur einen geringeren Dynamikumfang festhalten (ca. 1000:1– je nach Modell).

Und somit haben wir schon unser Dilemma!

Wollen wir eine Fotoszene festhalten, deren Dynamikumfang größer ist als jener der Kamera, so wird die Belichtung unweigerlich zu einem Kompromiss führen! Je nach Belichtung werden wir entweder ausgefressene Lichter oder abgesoffene Schatten im Bild erhalten (Im schlimmsten Fall beides). Das bedeutet, dass wir in den Tiefen und Lichtern nur noch schwarze bzw. weiße Pixel ohne jegliche Bildinformationen vorfinden werden.

Wie ich anfangs bereits erwähnt habe, ist der Kontrastumfang heutiger Kamerasensoren deutlich größer als noch vor ein paar Jahren. Das ist zwar super – aber für Fotoszenen mit einem sehr hohen Kontrastumfang dennoch zu wenig.

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Helles Sonnenlicht strahlt in die dunkle Kirche – der Kontrastumfang ist extrem hoch

Aber keine Sorge! Ausgefressene Lichter oder abgesoffene Schatten muss man nicht einfach in Kauf nehmen. Denn es gibt diverse Möglichkeiten, wie du den Kontrastumfang deiner Bilder erhöhen kannst.

 

1. Dynamikumfang erhöhen mit RAW

Spiegelreflex- System- sowie hochwertige Kompaktkameras können Bilder im RAW-Format abspeichern. Das RAW-Bild wir auch als digitales Negativ bezeichnet.

Es handelt sich also um eine unkomprimierte Datei. Diese bietet gegenüber einer herkömmlichen (komprimierten) JPEG-Datei diverse Vorteile, da eine RAW-Datei viel mehr Bilddetails enthält. Mehr zum Thema RAW findest du im Beitrag – Warum ich ein RAW-Freak bin und du auch einer sein solltest).

Einer der größten Vorteile von RAW ist, dass viel mehr Bilddetails in den Tiefen und Lichtern einer Aufnahme abgespeichert werden. Beim „entwickeln“ der RAW-Datei mit einem RAW-Konverter (zB.: Photoshop Lightroom*) können diese Details sichtbar gemacht werden.

dynamikumfang verbessern

Mittels RAW kann man also einen deutlich höheren Dynamikumfang festhalten als mit JPEG. Eine tolle Sache – auch ich nutze das RAW-Format fast ausschließlich.

Bei einem sehr hohen Kontrastumfang stößt man aber auch mit einer Single-RAW Datei an seine Grenzen. Das bringt uns dann schon zum nächsten Punkt…

 

2. Dynamikumfang erhöhen mit HDR

Wo RAW an seine Grenzen stößt, kommt HDR ins Spiel um diese Grenzen aufzubrechen!

HDR bedeutet High Dynamic Range (hoher Kontrastumfang bzw. Dynamikumfang).

Es werden von derselben Fotoszene drei oder mehrere deckungsgleiche Aufnahmen mit einer unterschiedlichen Belichtung erstellt. Aus diesen Aufnahmen erstellt man mittels einem HDR-Programm (ich nutze Aurora HDR) ein HDR-Bild.

So ein HDR-Bild hat einen sehr hohen Kontrastumfang. So hoch, dass HDR Bilder teils surreal auf den Betrachter wirken.

hdr - dynamikumfang erhöhen

Eine tolle Sache – mittels HDR lässt sich in der Regel der gesamte Kontrastumfang einer Fotoszene festhalten (je höher der Kontrastumfang, desto mehr Ausgangsbilder sollten erstellt werden).

 

Leider bietet HDR auch seine Tücken und Stolpersteine: Von Objekten in Bewegung lässt sich kein vernünftiges HDR Bild erzeugen, da es nicht Möglich ist, eine DECKUNGSGLEICHE Belichtungsreihe zu erstellen.

Des Weiteren können kleinste Unregelmäßigkeiten in der Belichtungsreihe das Ergebnis schnell verschlechtern oder komplett ruinieren.

 

HDR bietet also diverse Vor- und Nachteile.

Durch den richtigen Einsatz der HDR-Technik lassen sich atemberaubende Bilder erstellen. Jedoch lohnt sich High Dynamic Range nicht in jeder Situation Bei einem geringen Dynamikumfang sollte man lieber zu einer Single-RAW Datei greifen, da der Workflow wesentlich unkomplizierter ist.

Weitere Informationen zum Thema HDR findet ihr in meinem Buch: HDR-Fotografie: Schritt für Schritt zum perfekten HDR Bild* und im Beitragt HDR-Fotografie: Meine 10 besten Tipps für perfekte HDR-Bilder.

Anmerkung: Vor kurzem ist Adobe Lightroom 6* und CC erschienen. In dieser Version wurde endlich eine vollwertige HDR-Funktion integriert.

 

3. DRI – Mehrfachbelichtung

Wieder eine Abkürzung. Wieder drei Buchstaben und wieder Englisch.

DRI steht für Dynamic Range Increase und bedeutet so viel wie “Vergrößerter Dynamikumfang” (was wieder einmal alles und nichts bedeutet!?).

Man erstellt zwei oder mehrere deckungsgleiche Bilder mit einer unterschiedlichen Belichtung. Diese Bilder werden danach “händisch” in Photoshop oder einem anderen Bildbearbeitungsprogramm zusammenfügt.

Umsetzen lässt sich dies zum Beispiel über das Arbeiten mit mehreren Ebenen. Mitunter kann das Erstellen eines DRI Bildes sehr aufwendig sein.
Die Ergebnisse wirken dafür aber meist etwas natürlicher als beim Einsatz der HDR-Technik (je nach Workflow).

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Ich persönlich setze DRI nur sehr selten ein. Dies liegt mitunter daran, dass es mir einfach zu aufwendig ist.

Des Weiteren kann man mit dem richtigen HDR-Workflow ebenfalls sehr natürliche Ergebnisse erzielen!

 

4. Grauverlaufsfilter für besseren Dynamikumfang

Grauverlaufsfilter eignen sich nicht in jeder Fotoszene. Im Bereich der Landschaftsfotografie kommen sie aber sehr oft zum Einsatz.

Diese Filter sind ein perfektes Werkzeug, um den Kontrastumfang deiner Bilder zu erhöhen. Vereinfacht gesagt, lässt sich mit einem Grauverlaufsfilter ein Teil des Bildes abdunkeln (zB. der Himmel).

Je nach Szene/Motiv ist es dann also möglich, bei Bedarf die Belichtung zu erhöhen (+Belichtung) OHNE dass der Himmel ausgefressen wird. Man erhält also nicht nur die Details im Bereich des Himmels, sondern beugt durch eine adäquate Erhöhung der Belichtung auch abgesoffenen Schatten im Vordergrund vor!

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Durch die Kombination eines Grauverlaufsfilters mit dem RAW-Format kann der Dynamikumfang einer Aufnahme sehr gut optimiert werden!

Aber- welchen Grauverlaufsfilter solltest du verwenden?

Ich rate dir zu einem länglichen Grauverlaufsfilter (Rechteck). Bei Schraubfiltern, welche direkt am Objektiv befestigt werden, befindet sich der Grauverlauf immer an derselben Stelle – das ist unflexibel und für viele Bilder nicht passend!

Ich persönlich benutze einen Grauverlaufsfilter mit weichem Verlauf. Somit vermeide ich harte Übergänge.

Tipp: Du musst dir nicht extra ein Aufsatzgewinde für den Filter kaufen. Du kannst den Filter auch einfach per Hand direkt vor die Linse halten. So mache ich das jedenfalls. Geht am schnellsten und funktioniert gut (vorausgesetzt die Kamera steht auf einem Stativ).

Es gibt bereits sehr günstige Grauverlaufsfilter. Günstige Filter führen aber oft zu einem deutlichen Farbstich in den Aufnahmen.

Die Firma Lee bietet sehr gute Grauverlaufsfilter – leider sind diese Filter nicht gerade billig. Aber Qualität kostet eben auch seinen Preis.

 

Für erste „Gehversuche“ kann ich dir den günstigen Filter von Zomei* empfehlen. Dieser Filter kostet nur knapp 30 Euro. Leider hat er einen leichten Farbstich, wie man an der oben gezeigten Abbildung sehr gut erkennen kann

-> Hier findest du weitere Grauverlaufsfilter auf amazon.de*.

 

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