Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 an der Sony Alpha 6000 (Review und Testbilder)

Minolta Rokkor 1.4 50mm

Dank eines Adapters können manuelle Minolta Objektive an das Sony E-Mount Objektivbajonett angeschlossen werden. Somit erweitert sich das Objektivangebot für Sony Alpha und NEX Systemkamera-Nutzer drastisch!

Für weniger als 100 Euro ist zum Beispiel das lichtstarke Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 bei e-bay zu haben. Mein Exemplar habe ich um ca. 80 Euro ersteigert. Der passende Adapter* hat ca. 15 Euro gekostet. Nicht schlecht- das ist ja mal wirklich ein unschlagbares Preis-Leistungsverhältnis! Ich habe mir mal die Mühe gemacht und das Objektiv für euch getestet. Eines aber gleich vorweggenommen: Die Ergebnisse haben mich überrascht!

 

Der passende Adapter

Doch beginnen wir am Anfang! Sony NEX und Alpha Systemkameras sind mit dem E-Mount Objektivbajonett ausgestattet. Um manuelle Objektive hier anschließen zu können, benötigt man einen Adapter. Die hochwertige Luxusvariante um alte Minolta Objektive anzuschließen, ist der Novoflex Adapter*. Dieser kostet aber leider über 100 Euro.

Ich habe zu einem günstigeren Adapter gegriffen. Diesen Adapter habe ich auf amazon.de für ca. 19 Euro gekauft*. Ein echtes Schnäppchen also!

Ich persönlich bin mit der Qualität des Adapters zufrieden – er wirkt robust und hochwertig verarbeitet. Wie man den Adapter benutzt, habe ich bereits in diesem Youtube-Video gezeigt (freue mich natürlich immer über neue Abonnenten und Likes auf meinem Kanal).

adapter-nex-alpha6000-minolta

 

Der Adapter macht im Grunde nichts anderes, als das Objektiv mit der Kamera zu verbinden. Es werden also keine elektronischen Daten übertragen. Das würde auch keinen Sinn machen, denn das alte Minolta MD Objektiv ist ein komplett manuelles Objektiv.

 

Das Objektiv: Minolta Rokkor MD 50mm, f1.4

Das lichtstarke Minolta Rokkor MD 50mm mit einer maximalen Blendenöffnung von 1.4 wird am Gebrauchtmarkt derzeit um ca. 100 Euro gehandelt (Stand: April 2015). Mein Exemplar habe ich auf ebay.de um ca. 80 Euro ersteigert.

Wie ich es vorhin schon angesprochen habe, handelt es sich um ein komplett manuelles Objektiv. Das bedeutet es verfügt über keinerlei Elektronik. Es gibt keinen Autofokus und die Blende wird mittels Blendenring am Objektiv eingestellt.

Klingt erstmals ernüchternd. Dank der modernen Technik der Sony Alpha und NEX Systemkameras ist das aber kein großes Problem. Mittels Fokuslupe und Fokuspeaking kann das Objektiv einfach und komfortabel im Alltag eingesetzt werden. Dazu aber später mehr!

Mein Exemplar weist trotz des hohen Alters kaum Kratzer oder sonstige Beschädigungen auf. Das Objektiv ist komplett aus Metall gefertigt und wirkt sehr robust und hochwertig verarbeitet. An meiner Sony Alpha 6000 macht es jedenfalls eine verdammt gute Figur und versprüht einen Hauch von Retro!

Das Objektiv ist 3.8cm lang und hat ein 55mm Filterdurchmesser. Die maximale Blendenöffnung beträgt 1.4, die kleinste Blendenöffnung 16.

Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 an der Sony Alpha 6000 Systemkamera

Ein Hauch von Nostalgie: Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 an der Sony Alpha 6000 Systemkamera

 

Das Objektiv im Praxiseinsatz

Bei dem Minolta MD Objektiv handelt es sich um ein komplett manuelles Objektiv. Kein Autofokus, keine elektronische Blendenwahl und natürlich auch kein Bildstabilisator.
Da Sony Systemkameras wie zum Beispiel die Alpha 6000, Nex 6, Nex 7 etc. über die Funktionen Fokuspeaking (Kanten hervorheben) und Fokuslupe verfügen, lässt sich das Objektiv dennoch sehr gut und einfach im Alltag einsetzen.

Das Objektiv kann in den Modis P, A, S und M benutzt werden.
Das funktioniert so: Wir stellen die Blende manuell am Objektiv ein. Die Kamera weiß zwar nicht welche Blende wir eingestellt haben (es werden ja keine elektronischen Daten vom Objektiv auf die Kamera übertragen) aber sie misst trotzdem wie viel Licht auf den Kamerasensor trifft. Anhand dieser Daten wählt die Kamera bei Bedarf die benötigte Verschlusszeit sowie den benötigten ISO-Wert automatisch.

Im manuellen Modus können wir – wie gewohnt – alles manuell einstellen: Die Blende wählen wir am Objektiv, die restlichen Parameter in der Kamera.

blende-ring

Die Blende wird am Minolta Rokkor MD manuell eingestellt

 

Wichtig!
Damit wir das Objektiv überhaupt an unserer Sony Alpha oder Nex benutzen können, muss im Menü der Kamera folgender Parameter aktiviert werden: Kamera ohne Objektiv auslösen: EIN

 

Beim Blendenwert zeigt die Kamera dann immer Blende 0 also F 0,0 an.

Scharfstellen können wir am Fokusring des Objektives. Mittels Fokuspeaking (Kantenabhebung) und Fokuslupe gelingt das ganz einfach!

Ich habe im Kameramenü dazu standardmäßig Fokuspeaking aktiviert. Die Fokuslupe habe ich mir standardmäßig auf einen der drei frei konfigurierbaren Tasten meiner Sony Alpha 6000 gelegt. Mit ein bisschen Übung gelingt das scharf stellen wirklich sehr schnell und einfach! Man sollte aber bedenken, dass der Schärfentiefebereich bei Offenblende natürlich sehr gering ist (Je nach Distanz zum Motiv).

Fokus Peaking

Mittels Fokus-Peaking werden die Kanten des scharf gestellten Motives farblich hervorgehoben. Manuelles scharf stellen wird somit zum Kinderspiel. In diesem Fall hatte ich allerdings nicht das Minolta an meiner Alpha 6000, sondern das 16-50 Kit-Zoom. Das erkennt man daran, dass ein Blendenwert angezeigt wird (F5.0)

 

Bildqualität und Testbilder

Eine 50mm Festbrennweite (Crop-Faktor 1.5) mit einer Lichtstärke von Blende 1.4. Das klingt schonmal sehr vielversprechend.

Ich habe mir mal die Mühe gemacht, und ein paar Testbilder mit verschiedenen Blendenöffnungen erstellt. Dabei zeige ich euch jeweils 100% Ausschnitte von der Bildmitte und vom Bildrand (rechte obere Ecke) um die Schärfe des Objektives zu beurteilen. Die Bilder sind unbearbeitete JPEGs (out of camera).

Als Testchart diente mir eine einfache Zeitungsseite, die ich an die Wand geklebt habe.

 

testchart

Und nun folgen die Ergebnisse (für 100% Ansicht einfach auf das Bild klicken).

minolta-md-test-1.4

minolta-md-test-2

minolta-md-test-2.8

minolta-md-test-4

minolta-md-test-8

minolta-md-test-16

Die Schärfeleistung der Optik ist also bereits bei Offenblende in Ordnung. Auch abgeblendet auf Blende 16 ist die Bildqualität sehr gut.

Die beste Bildqualität liefert das Minolta in meinem Test im Bereich von Blende 2.8 bis Blende 8.0.

Farben und Kontraste werden gut wiedergegeben. Lediglich chromatische Aberrationen waren im Praxiseinsatz teilweise deutlich zu erkennen. Diese können aber in Lightroom oder Photoshop relativ einfach beseitigt werden (manuelle Objektivkorrektur). Verzeichnungen oder Verzerrungen konnte ich bei diesem Objektiv auch keine ausmachen. Bei Offenblende erzeugt das Objektiv ein wirklich sehr schönes Bokeh.

Allen in allem hat die Bildqualität meine Erwartungen an ein so altes Objektiv sogar weit übertroffen!
Kommen wir nun zum Fazit (dort habe ich auch noch 4 weitere Tipps für euch)

 

Fazit und 4 weitere Tipps

Das Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 macht auf einer Sony Alpha oder Nex Systemkamera eine wirklich gute Figur. Die Bildqualität ist auf einem sehr hohen Niveau. Selbst bei Offenblende ist die Schärfe im Bereich der Bildränder in Ordnung. Lediglich chromatische Aberrationen fallen etwas negativ auf- diese können aber einfach korrigiert werden.

Mittels des hochwertigen Novoflex Adapters* oder diesem günstigen aber solide verarbeiteten Adapters* kann das Objektiv einfach auf einer Sony Systemkamera mit E-Mount Anschluss verwendet werden.

Das Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 ist aufgrund der hohen Lichtstärke bestens für Portraits oder Low-Light-Situationen geeignet. Dank des Gebrauchtmarktpreises von unter 100 Euro (Stand: April 2015) ist dieses Objektiv eine echte Alternative zum Sony SEL 50mm 1.8*, welches rund 3-mal so viel kostet (neu).

Das manuelle Objektiv lässt sich dank Fokuspeaking und Fokuslupe komfortabel und einfach im Alltag einsetzen. Blende und Fokus werden am Objektiv eingestellt.

Abschließend habe ich noch 4 weitere Tipps für dich.

 

Tipp 1 – Verschlusszeit

Die Kamera wählt bei weniger Licht in den Modis P oder A gerne eine Verschlusszeit von nur 1/60 sec. Da das Minolta über keinen Bildstabilisator verfügt, kann diese Verschlusszeit bei Freihandaufnahmen zu Verwackelungen führen. Ich persönlich wähle immer mindestens eine Verschlusszeit von 1/80 Sekunde. Dazu wechsle ich logischerweise in den Modus S oder M.

 

Tipp 2 – Objektivdeckel für die Rückseite

Befindet sich der Adapter am Objektiv, so passt der rückseitige Objektivdeckel des Minolta Objektives natürlich nicht auf die Rückseite des Adapters. Da ich den Adapter am Objektiv belasse (auch wenn ich das Objektiv von der Kamera entferne) möchte ich das das Objektiv natürlich rückseitig verschließen. Bei dem günstigen Adapter wird leider kein eigener Deckel mitgeliefert (wie es beim Novoflex Adapter ist, weiß ich leider nicht). Um weniger als 10 Euro kannst du dir hier auf amazon.de einen Objektivdeckel für die Rückseite* besorgen.

 

Tipp 3 – Sonnenblende

Eine Sonnenblende war bei meinem gebrauchten Minolta Exemplar nicht beigelegt. Das Objektiv verfügt über ein 55mm Filtergewinde. Für diesen Durchmesser gibt es sehr viele universelle Sonnenblenden, die auf das Objektiv passen dürften.

 

Tipp 4 – Canon FD Objektive

Es lassen sich nicht nur alte Minolta Objektive mittels Adapter auf einer Sony Systemkamera adaptieren. Auch alte Canon FD Objektive können mit diesem Adapter* angeschlossen werden.

Hast du auch schon Erfahrungen mit dem Minolta MD 50mm 1.4 gemacht? Oder vielleicht hast du anderes Altglas an deiner Kamera montiert? Diskutiere mit und schreib ein Kommentar!

 

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15 Antworten

  1. Jörg sagt:

    Hallo Robert,
    ich habe mir per Kleinanzeigen ein Minolta 70-210; F4 AF gekauft (80,-) und mittels LA-EA4 angeschlossen. Es funktioniert super und macht für meine Verhältnisse super Bilder.
    Eine Frage: Minolta oder Canon 50mm 1,4, welches ist das optisch bessere Objektiv?
    Gruß Jörg

  2. Sven sagt:

    Toller Artikel. Ich nutze seit etwa einem Monat das Minolta Rokkor 35mm/2.8 und das Minolta 70-210/4.0 (beide Ebay) zusammen mit einem Quenox Adapter den ich von enjoyyourecamera bestellt habe. Zusammen hat das alles incl. Versand keine 100€ gekostet und ich bin mega zufrieden. Ich nutze die Objektive an meiner Sony a7 Kamera. Ich kann jedem mit einer Systemkamera die Fokuspeaking unterstützt empfehlen, auch einen Blick auf alte Objektive zu werfen.

  3. Sebastian sagt:

    Hallo! Ich benutze alte Canon FD Objektive an meiner A6000 weil ich die sozusagen geerbt habe :)
    Das 28mm 2.8 und das 55mm 1.2 S.S.C.
    Ich habe vor ein Tagen mal etwas länger mit dem 28er rumgespielt und kann es wirklich nur empfehlen. Super scharfe schon bei Offenblende und eine Stufe abgeblendet noch schärfer.
    Leider gibt es diese Objektive in Lightroom nicht. Wie gehe ich da am besten vor um die chromatischen Abberationen zu entfernen? Hast du da vielleicht einen Tipp?
    Es macht einfach mehr Spaß mit den manuellen Objektiven zu arbeiten wenn man die Zeit hat.
    Ansonsten benutze ich auch gerne mein 24er und 50er Sony ;)

  4. Jens sagt:

    Hallo Jörg verändert sich eigentlich die Brennweite des Objektivs bei der Verwendung des Adapters. Er ist ja wie ein Zwischenring bei der Makrofotografie.

  5. Karl-Heinz sagt:

    Guten Tag,
    der Bericht hat mir zugesagt und nun mache ich mir Gedanken, wie meine Rokkor MD-Objektive mit der richtigen Kamera zum Einsatz bringen kann.
    Der genannte Adapter (Objektiv/Kamera) bewirkt eine Brennweitenverlängerung.
    1. Welche Auswirkungen zeigen sich bei dem getesteten 50 mm MD-Objektiv?
    2. Lässt sich ein Verlängerungsfaktor auch für andere MD-Objektive ermitteln? Z. B.: Tele 300 mm, 35mm Shift.
    Über eine Stellungnahme würde ich mich freuen. Danke!

  6. Christian sagt:

    Vielen Dank für den sauberen Artikel. Die Frage von Karl-Heinz (obiger Kommentar) stelle ich mir auch zur Zeit.
    Was mir auch ein wenig zu denken gibt, ist, daß viele der Altobjektiv-Fotografen von „für meine Verhältnisse gut“ oder von „erstaunlich gute Bildqualität für so ein altes Objektiv“ sprechen. Das klingt jedoch nicht sehr erbaulich. Warum sollte denn die Qualität den modernen digital gesteuerten Objektiven nicht ebenbürtig sein? Es scheint einen Umstand zu geben, welcher das Ergebnis offenbar (zumindest in vielen Fällen) dämpft. Bedeutet es, daß man vielleicht doch Abstriche machen muss, wenn man alte, hochwertige Objektive an beispielsweise APS-C Kameras verwenden möchte? Freundliche Grüße

    • Ich denke mal, dass es die Bedenken in Richtung allgemeine Abnutzung (zB. Kratzer im Glas, Lufteinschlüsse, etc.) gehen. Außerdem sind ältere Objektive oft anfälliger für chromatische Aberrationen.

  7. Jörg sagt:

    Hallo,

    ich benutze auch einiges an Altglas an meiner Fuji XT 1.
    Wer was um die 50mm sucht und nicht viel ausgeben möchte, sollte sich mal das Minolta MD 50 1,7 anschauen. Bei 1,7 natürlich etwas weich, ab 2,8 knackscharf.
    Da das 50 1,7 damals die Kitlinse bei Minolta war, ist das Angebot bei Ebay recht groß. Gute Exemplare sind schon um die 30€ zu haben. Geheimtipp ist auch das MD 135/4.
    Gruß Jörg

  8. Svepe sagt:

    Die Frage ist doch ob das Minolta Objektiv eine bessere Qualität aufweist als das Kit Objektiv bei 50mm.
    Ansonsten macht das ja alles keinen Sinn
    Kann jemand dazu eine Aussage machen?

    Ich werde mir demnächst eine 6000er zulegen. Eine Minolta xd mit 50mm und 80-200 besitze ich schon.

    Gruss Svepe

  1. 20. Februar 2017

    […] Wie einfach man ein manuelles Objektiv in der Praxis nutzen kann, habe ich unter anderem in diesem Beitrag beschrieben: Minolta Rokkor MD 50mm 1.4 an der Sony Alpha 6000 (Review und Testbilder) […]

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